Ein Gruß von Midori

Liebe Freunde,

wir stehen am Ende eines unglaublich herausfordernden Jahres. Im Jahr 2020 hat es so viele tragische Verluste gegeben – am Leben, an den Dingen des Lebens. Von den Auswirkungen der Pandemie sind so viele Karrieren, Unternehmen und Institutionen betroffen und angeschlagen. Ich kenne niemanden, der nicht auf irgendeine Weise von all dem betroffen ist. Über die diesjährige gesundheitliche Krise hinaus waren wir weiterhin mit gewaltigen Schwierigkeiten, mit Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten sowie einer Vielzahl von Naturkatastrophen konfrontiert.

Können wir unter diesen Bedingungen Hoffnung für unsere Zukunft haben, für diese Welt, die unsere Kinder erben werden? Können wir wirklich einen Sinn in dem sehen, was geschehen ist und können wir daraus lernen?

Im Angesicht all dessen finde ich dennoch Grund für mehr Optimismus. Man darf nicht vergessen, dass die Menschen im Laufe der Geschichte sowohl Widerstandsfähigkeit als auch eine gewisse Destruktivität bewiesen haben. Wir finden in uns selbst Reserven an moralischer Stärke und bewahren uns damit die Fähigkeit, auf kraftvolle, regenerative Weise zusammenzukommen.

Ich glaube, dass es ein solches Miteinander ist, und unsere Liebe und unser Respekt für andere, die uns helfen werden, die aktuellen Krisen der Welt zu überwinden. Ich persönlich habe in den letzten Monaten viel Positives erlebt, was mich davon abgehalten hat, den Glauben an dieses Leben und diese Welt zu verlieren. Es war sicherlich frustrierend, hauptsächlich auf Online-Kontakt mit den Menschen in meinem Leben beschränkt zu sein – aber dadurch kam trotzdem von Zeit zu Zeit echte Wärme durch. Dieser Kontakt ermutigt mich aktuell sehr.

Ich hoffe, dass wir im Jahr 2021 eine Phase der Erholung beginnen werden. Auf dem Weg dorthin hoffe ich, dass wir aus allem, was wir durchgemacht haben, gelernt haben werden, was zu zunehmendem gegenseitigen Verständnis und Fürsorge führt. Ich freue mich auf eine Welt, die die Möglichkeit bietet, dass Menschen untereinander sinnvolle Verbindungen herstellen.

Midori

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VON MIDORI – JULI 2020

Liebe Freunde,

Ich hoffe, die unsichere Situation, in der wir leben, hat sich nicht nur negativ auf uns ausgewirkt. Obwohl ich die gegenwärtigen Umstände als Herausforderung empfinde, tue ich mein Bestes, um mich und andere zu schützen, so produktiv wie möglich zu sein und meine Mitmenschen zu unterstützen.

Ein großer Teil unserer Aufmerksamkeit wird unweigerlich auf die Auswirkungen von COVID gelenkt; dennoch gibt es noch andere Ereignisse, sowohl positive als auch negative, die sich in der Welt abspielen, darunter Umstände, die nach unserer Aufmerksamkeit schreien, wie z.B. die langfristigen Effekte der globalen Erwärmung und die historischen und neueren Ungleichheiten in den Gesellschaften, die den Fortschritt behindern und einen Schatten auf unsere Errungenschaften werfen.

In den letzten Monaten wurde ich gezwungen meinen Lebensstil, wie der so vieler anderer, drastisch zu ändern – oder zumindest wurde er auf Eis gelegt -, was mir viele Momente zum Nachdenken und zur Neubewertung gegeben hat. Ich hatte auch die Zeit, Projekte in Angriff zu nehmen – und in einigen Fällen abzuschließen -, zu denen ich in meinem Leben vor der Pandemie zu wenig Zeit hatte. Ich hoffe, dass einige der Früchte dieser Zeit reif sein werden, und aufblühen, wenn die Pandemie oder die schlimmsten Auswirkungen der Pandemie hinter uns liegen.

Lasst uns die Entschlossenheit am Leben erhalten, auf unsere Zukunft hinzuarbeiten. Wir müssen beharrlich nach einem Sinn in der neuen Normalität und in der jüngsten Vergangenheit suchen. Mitten in all dem bin ich denen dankbar, die sich unermüdlich für unsere Sicherheit einsetzen, die uns daran erinnern, dass die Zeit, die wir verloren haben, weder vergeudet noch sinnlos war, und die an uns alle appellieren, unseren Teil zur Gestaltung der künftigen Welt beizutragen.

Midori

VON MIDORI – APRIL 2020

Liebe Freunde,

in dieser Zeit großer Ungewissheit und anhaltend beunruhigender Nachrichten schreibe ich euch aus New York, wo ich seit fast einem Monat vor Ort Zuflucht gefunden habe.

Wir werden täglich mit unüberwindlichen Nachrichten konfrontiert, die unsere Psyche und unser Vertrauen in die Welt und in uns selbst angreift. Unsere Gedanken sind bei dem medizinischen Personal, das zusammen mit den schwer Betroffenen die Krieger dieser Pandemie sind. Sie sollen wissen, dass uns ihr Wohlergehen am Herzen liegt und wir uns um ihr Wohlergehen sorgen, so wie wir uns um die vielen kümmern, die ihren Arbeitsplatz und ihre Lebensgrundlage verloren haben. Unser Mitgefühl gilt den Familien und Freunden derer, die durch dieses Virus ihr Leben verloren haben.

Es ist in der Tat ein sehr seltsames Gefühl, in der Falle zu sitzen und einem unsichtbaren Feind gegenüberzustehen. Da ich mich für gute grundlegende Gewohnheiten wie an Ort und Stelle bleiben, gründliches Händewaschen und soziale Distanzierung einsetze, frage ich mich auch, wie ich weiterhin zurechnungsfähig sein kann, da sich mein Lebensstil so drastisch und so plötzlich verändert hat, ohne dass mir viel Zeit bleibt, mich psychisch oder physisch darauf vorzubereiten.

Nichtsdestotrotz übe und musiziere ich weiterhin zu Hause. Für jenen Tag an dem wir sicherlich in eine Phase der Genesung eintreten. Und zu diesem Zeitpunkt – sei es für ein Kind, einen älteren Menschen oder einen Hinterbliebenen, für jemanden, der sich vernachlässigt, einsam oder verzweifelt fühlt, oder für jemanden, der sich von dem Virus erholt hat – möchte ich bereit sein, wenn sie es auch sind, für sie Musik zu spielen, die in den Seelen der Mitmenschen geschmiedet wurde, Musik, die die Prüfungen vergangener historischer Grausamkeiten überstanden hat.

Midori

VON MIDORI – JANUAR 2019

Liebe Freunde,

2018 war ein Jahr der Veränderung. Im Frühsommer zog ich zurück an die Ostküste, um Teil des Lehrkörpers am Curtis Institute in Philadelphia zu werden. Nach fast 15 Jahren in Kalifornien stellte sich dies doch als eine größere Umstellung heraus, als ich erwartet hatte. Das Wetter ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und auch das Wohnen ohne Auto im Center City District von Philadelphia bringt Herausforderungen mit sich und verlangt nach einer ganz anderen Energie als das Leben in Los Angeles. Ich gewöhne mich erst noch an die neue Umgebung und den neuen Rhythmus, genieße es aber nichtsdestotrotz eine neue Stadt kennen zu lernen.

Über das letzte Jahr genoss ich es, zu mir bekannten Städten, Konzertsälen und Orchestern zurück zu kehren, um mit langjährigen Kollegen zusammen zu arbeiten und auch mit neuen. Mit mehr als 35 Jahren Tour-Erfahrung fühle ich mich nun fast überall wohl, entdecke Neues und lasse alte Erinnerungen und Beziehungen aufleben. 2018 spielte ich auch in mehreren für mich neuen Ländern: Paraguay, Estland, Ukraine und Ecuador.

Besonders wichtig war mir eine Reise gemeinsam mit meinen Studenten von der University of Southern California nach Sri Lanka während ihres Spring Breaks. In und um Colombo lernten, unterrichteten und musizierten wir und engagierten uns mit gemeinnützigen Tätigkeiten. Diese Reise war unser zweites gemeinsames Projekt außerhalb von Los Angeles, nachdem wir 2017 schon Ensenada (Mexiko) und seine Umgebung besucht hatten.

Im neuen Jahr freue ich mich besonders auf ein neues Projekt mit dem Pianisten Jean-Yves Thibaudet, in dem wir „fast“ das gesamte französische Repertoire für Violine und Klavier aufführen. Neue Projekte bringen immer Überraschungen mit sich und mit diesen Überraschungen Freude.

Ich wünsche euch allen ein neues Jahr voller musikalischer Inspiration.

Midori